Mitarbeiterbindung - Was die Geschichten der Mitarbeiter mit mir als Chef zu tun haben

| Sandra Knüttel

Auch in Zeiten der Digitalisierung: Der Mensch kommt vor der Technologie. Denn Menschen, nicht die künstliche Intelligenz, verändern die Zukunft. Obwohl ich für Neues und für Aufbruch stehe, ist hier mein Aufruf für das Bewahren von Althergebrachtem: Haltet direkten Kontakt – von Angesicht zu Angesicht!


Kurzübersicht

  • Digitalisierung kennt noch Menschen
  • Soziale Kompetenz soll kein Manko sein
  • Das Geheimnis guter Führung

Digitalisierung kennt noch Menschen

Was haben wir in Zukunft in Sachen Chefsein und Kommunikation zu erwarten?

Erstes Beispiel:

Vor einigen Wochen habe ich mit Mitarbeitern eines mittelständischen Familienunternehmens einen Workshop veranstaltet, bei dem es um Führen und Kommunizieren in der digitalen Welt ging. Die erste Frage an mich lautete: „Welche Kanäle sollen wir einsetzen, welche Apps passen dazu?“

Zweites Beispiel:

Einer meiner Kollegen leitete ein Seminar für junge Manager, die teilweise bereits größere Abteilungen führen. Ein Seminar mit dem konservativ-sperrigen Namen: Nachwuchsführungskräfteprogramm. Er stellte dabei fest, dass sich viele Teilnehmer hinter ihrem Tablet oder Laptop verkriechen und kaum eine Wortmeldung machen. Als er vorschlug: „So, jetzt legen wir mal alles weg und reden miteinander über das Thema“, war diese Aufforderung den Teilnehmern unangenehm. Anscheinend fühlten sie sich, ohne ihre digitalen Anschluss irgendwie nackt.

Letztes Beispiel:

In einem Blog lese ich über einen Professor, der erzählt, dass viele seiner Studenten während des gesamten Studiums ihr Zimmer so gut wie nie verlassen – mit Ausnahme der Vorlesungen.

Ich spreche hier von heutigen und künftigen Führungskräften, die Unternehmen, aber vor allem die Menschen, die dort arbeiten, in die Zukunft führen werden. Sie sind sachlich und fachlich in der Regel extrem fit, haben hochklassige Abschlüsse und häufig schon parallel zum Studium Erfahrung im Ausland gesammelt. Nur, wie sieht es mit den eher menschlichen Qualifikationen aus? Reden wir über Soft Skills - Ich denke wir sind uns einig, die bilden sich nicht aus, wenn man beim Studieren sein Zimmer nicht verlässt.

Zurück zu meinem ersten Beispiel:

Was die Führungskräfte hören wollten, war: Wie kann ich lenken und führen, ohne direkt mit Menschen zu tun zu haben? Wie kann ich die Kommunikation auf ein „immer erreichbar“-Status verlegen? Meine Antwort hierauf ist: „Die digitalen Prozesse können bei der Führung unterstützen. Es gibt Apps, die Informationsflüsse und Abläufe vereinfachen. Man kann immer und überall in Kontakt miteinander treten. Deshalb sollte man sie dort nutzen, wo es sinnvoll ist. Aber auch in der digitalen Welt kommt der Mensch vor der App.“ (Ich hoffe auch der amerikanische Präsident wird mit der Zeit lernen, dass eine Nation nicht über Twitter und Tweets geführt werden kann.)

 

Soziale Kompetenz soll kein Manko sein

Der Kommunikationsexperte aus dem zweiten Beispiel sagte mir, dass er ungläubig zusehen musste, dass zwischenmenschlich nichts geschah. So viele Gleichgesinnte in einem Raum und keine Diskussion kam in Gang. Man sei direkten Umgang mit anderen kaum noch gewohnt, es liefe ja alles digital. Macht es etwa schon Mühe, dem Gegenüber in die Augen zu sehen? Ist das Fazit daraus: Konflikten geht man aus dem Weg, indem man eine Beziehung per SMS beendet oder E-Mails einfach nicht beantwortet? Nein, das kann ich nicht akzeptieren!

Die Beobachtungen, die mein Kollege gemacht hat, sind streng genommen fehlende soziale Kompetenz. Das ist ein so hartes Fazit, dass man das aber auch keiner angehenden Führungskraft auf den Kopf zusagen kann.

Menschen sind nun mal keine Computer, die auf „Enter“ reagieren.

Mitarbeiter, und damit die Menschen, wollen Wertschätzung und Zuwendung. Sie wollen das Erreichen von Zielen erleben, einen Anker spüren und verbindliche Gespräche. Deshalb gehören Führung und Kommunikation untrennbar zusammen. Kommunikation ist möglich, ohne eine Führungsaufgabe zu haben. Aber Führung an sich ist wirklich nur mit Kommunikation möglich.

Daher ist es auch in der digitalen Welt so, dass die Kaskade der Führungskommunikation berücksichtigt werden muss. Unter einer Kommunikationskaskade versteht man die Weitergabe von Informationen „top-down“. „Wir haben im Führungsteam alles besprochen. Bei den Mitarbeitenden angekommen ist aber nichts.“ Das ist seit vielen Jahren eine Klage, die ich in Unternehmen höre, und zwar sowohl aus der Geschäftsleitung als auch von Bereichsleitern.

Konkret ist es meistens so, dass in Besprechungen Themen diskutiert und Entscheidungen getroffen wurden. Für die teilnehmenden Mitarbeiter ist damit eigentlich alles klar. Aber was davon für alle anderen Mitarbeitenden relevant ist, und welcher Teil der diskutierten Inhalte zu welchem Zeitpunkt von wem in die Organisation getragen werden soll, wurde meistens nicht genau festgelegt. Die Kommunikationskaskade funktioniert dann nicht.

Wie lösen wir das?

Zuerst direkt, also indem man sich gegenübersteht und miteinander spricht. Ist das nicht möglich, führt der Weg übers Telefon. Und erst an dritter Stelle folgt die E-Mail. Nicht umgekehrt!

Der Professor aus dem dritten Beispiel stellte sich die Frage, was aus einer Studenten-Generation werden solle, die, von ihrem Zimmer aus, die ganze Welt erreichen kann. Einen realen Schritt ins Zimmer des Kommilitonen zu setzen, können sie aber kaum. Sie leben in einer Welt der Unverbindlichkeit und der indirekten Kommunikation, obwohl sie ständig miteinander über Facebook, Whatsapp, Instagram und Snapchat verbunden sind.

Wenn man Menschen im Hinblick auf ihre Führungseignung beurteilt, achtet man in ihrem Lebenslauf zwar auf die Diplome und Abschlüsse. Genauso wichtig ist hier allerdings, was Bewerber oder Bewerberinnen sonst noch machen oder gemacht haben. Betreibt er einen Einzelsport oder ist er Mitglied in einem Team? Gibt es neben der Ausbildung Erfahrung in Aushilfsjobs, wo man mit Menschen konfrontiert war? Wo hat er sich engagiert? Mit welchen Werten ist er aufgewachsen?

Erst daraus ergibt sich ein einigermaßen gutes Bild, ob der Kandidat für eine Führungsaufgabe taugt, oder nicht.

 

Das Geheimnis guter Führung

Einer unserer Kunden, der in seiner Laufbahn viele Abteilungen erfolgreich führte, hat viel über sein Geheimnis der Mitarbeiterführung verraten. Er sagte: „Ich habe in meinem Leben keinen meiner Mitarbeiter dauernd gefragt, wie es ihm geht. Aber wenn ich gesehen habe, dass es jemandem nicht gut geht, dann habe ich ihn direkt angesprochen. Ich habe ihn gefragt, was los sei, aber vor allem, ob ich ihm helfen kann. Das habe ich dann auch getan.“ Dieses wirkliche Interesse am Menschen, trägt eben einfach dazu bei, dass sich in diesen Abteilungen im Unternehmen eine wertschätzende Kultur entwickelt, mit hoher Identifikation.

Egal ob der Chef im „Chef sein“ jung oder bereits erfahren ist – gerade in Zeiten der Digitalisierung gilt mehr als jemals zuvor: Führen heißt Kommunizieren. Wer direkt auf seine Mitarbeiter zugeht, kann sie begeistern, Teams zu Höchstleistungen motivieren, im Dialog Konflikte lösen.

Unsere Welt ist volatil, offen für neues und man kann überall arbeiten. Wo künstliche Intelligenz den Menschen teilweise ersetzen kann, besteht das Geheimnis guter Kommunikation und damit guter Führung vor allem in der Erkenntnis, dass der Mensch vor der Digitalisierung steht. Denn es sind Menschen, nicht Computer, die die Zukunft prägen. Soziale, zum Beispiel nach CSR ausgerichtete Unternehmen erschaffen für die Mitarbeiter ein Umfeld der Kooperation, in dem Fortschritt und Erfolg die logische Konsequenz sind!

Deshalb lautet unser Rat für die Rookies ganz genauso wie für die alten Hasen unter den Chefs – Gehen Sie auf die Mitarbeiter als Menschen zu, reden Sie mit allen so oft es geht und klappen Sie zwischendurch Ihren Laptop zu.

Sandra Knüttel

Employer Branding ist mehr als ein Kicker im Keller – Mitarbeiter sind der Wachstumsmotor Ihres Unternehmens. Nutzen Sie die Potenziale und setzen Sie Ihre Mitarbeiter ideal ein. CSR getriebene Innovation ist unser Baukasten für das Erschaffen des sozialen, kooperativen Umfelds, das zwangsläufig zu Fortschritt führt.

 

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern unter 09732 8898870 zur Verfügung!